Eine kleine Praxis für mehr Einfühlungsvermögen und wohlwollendere Begegnungen
Manchmal gibt es Gespräche, bei denen schon der Gedanke daran, einen innerlich in Bedrängnis bringt.
Vielleicht gab es eine frühere schwierige Begegnung.
Vielleicht klebt an einem Menschen bereits ein Etikett.
Vielleicht läuft im Kopfkino schon ein Gespräch ab, bevor es überhaupt stattgefunden hat.
Die Fühlenden Fragen sind eine Einladung, vor einer solchen Begegnung kurz innezuhalten.
Die 4 Fühlenden Fragen
1. Wie war meine letzte Begegnung mit diesem Menschen?
Wie fühlt sie sich an?
2. Was mag ich an ihr oder ihm?
Wie fühlt es sich an?
3. Gibt es etwas, das sie oder er für mich getan hat?
Wie fühlt es sich an?
4. Worin stimme ich mit ihr oder ihm überein?
Wie fühlt es sich an?
Wie du beginnen kannst
Nimm dir einen kurzen, ungestörten Moment.
Komme bei dir an.
Du kannst zum Beispiel:
– deine Füße am Boden spüren
– den Atem wahrnehmen
– bemerken, wie dein Körper gerade da ist
– dich innerlich orientieren: Wo bin ich gerade? Was nehme ich um mich herum wahr?
Es muss nicht lange dauern.
Zwei oder drei Minuten können reichen.
Dann stelle dir die Fragen langsam.
Nicht als Prüfung.
Nicht mit Druck, sofort eine Antwort zu finden.
Wenn keine Antwort auftaucht, bleibt die Frage einfach offen.
Danach
Spüre einen Moment nach.
Was ist jetzt anders?
Hat sich etwas im Blick verändert?
Ist etwas weicher geworden?
Ist mehr Abstand entstanden?
Gibt es einen nächsten stimmigen Schritt?
Vielleicht hat sich nichts Großes verändert.
Vielleicht ist nur ein wenig mehr Raum da.
Auch das ist etwas.
Was die Fühlenden Fragen nicht sind
Die Fühlenden Fragen sind kein Turbo-Tool.
Sie sind nicht dazu da, Beziehungen schnell zu reparieren.
Sie sind kein Mittel, um andere Menschen zu manipulieren.
Sie ersetzen keine Therapie und keine professionelle Konflikt-/Krisenbegleitung.
Was die Fühlenden Fragen sein können
Eine kleine Praxis des Innehaltens.
Eine Einladung, Begegnung wohlwollender, klarer und menschlicher zu gestalten.
Wie sie zu BeMerken, M2M und den Fühlenden Tools gehören
BeMerken beginnt oft dort, wo wir nicht sofort handeln, erklären oder bewerten.
Die Fühlenden Fragen schaffen einen kleinen Raum zwischen Reiz und Reaktion.
In diesem Raum kann sichtbar werden:
Was wirkt in mir?
Welche Geschichte erzähle ich mir?
Was ist die Sache?
Wer ist der Mensch?
Welche Haltung möchte ich in die Begegnung mitnehmen?
So gehören die Fühlenden Fragen zu M2M — Mensch zu Mensch.
Und sie sind ein erster sichtbarer Ausdruck der Fühlenden Tools: kleine Praxen, die helfen können, sich selbst, andere Menschen und eine Situation wieder spürbarer, klarer und menschlicher wahrzunehmen.
Sie erinnern daran, dass Klärung nicht immer mit einer schnellen Lösung beginnt.
Manchmal beginnt sie mit einem wohlwollenden Blick.
Mit einem Atemzug.
Mit einer Frage, die nicht drängt.
Und mit dem BeMerken dessen, was gerade wirkt.